Im Test: Bayonetta 2 – Hexenpower ohne Grenzen

Mit Bayonetta lieferten die Entwickler von Platinum Games vor knapp fünf Jahren einen echten Geheimtipp ab, der sowohl von Kritikern, als auch Spielern gefeiert wurde. Die Mischung aus überdrehter Action, skurrilen Figuren und packender Inszenierung konnte sich sehr schnell eine treue Fangemeinschaft aufbauen, wenn auch der große finanzielle Erfolg am Ende ausblieb. Lange Zeit war die Zukunft der Marke daher ungewiss, um nicht zu sagen hochgradig gefährdet. Doch trotz aller Strapazen erreichte uns vor 2 Jahren die freudige Nachricht, dass man mit Nintendo als Publisher einen Geldgeber gefunden hat, mit dem man nun einen zweiten Teil realisieren konnte. Gleichzeitig wurden mit der Ankündigung auch Stimmen laut, die sich über die Exklusivität des Spiels auf Nintendos aktueller Heimkonsole Wii U  beschwerten, wo doch der Erstling noch auf Sonys PlayStation 3 und Microsofts Xbox 360 zu Hause war. Stimmen, die im Nachhinein mehr als unverständlich sind, denn die harte Wahrheit ist, dass ohne Nintendo als Publisher Bayonetta 2 in gar keiner Form enstanden wäre. Und warum das ein herber Verlust für uns alle gewesen wäre, könnt ihr hier in unserem ausführlichen Test zum Spiel lesen.

Ist es denn dieses Mal verständlich?

Wer den ersten Teil von Bayonetta gespielt hat, der kann sich bestimmt noch gut an die Geschichte des Spiels erinnern. Oder zumindest an die Art wie sie erzählt wurde, denn inhaltstechnisch dürfte den wenigsten zum Ende hin klar gewesen sein, was sie da überhaupt gerade gespielt haben. Mit gnadenlos übertriebenen Action-Sequenzen und schrägem Humor geht es auch in Bayonetta 2 weiter, doch scheint die Prämisse diesmal zumindest anfangs noch verständlich zu sein. In der Haut der Umbrella-Hexe Bayonetta müsst ihr zum Berg „Fimbulventr“ reisen, um eure Hexenkollegin Jeanne aus der Hölle zu befreien, nachdem diese zu Beginn des Spiels von einem Dämon in selbige gezogen wurde. Ihr habt einen Tag Zeit, dort das Tor zur Hölle zu finden und eure Freundin zu retten. So weit so gut, bis dahin haben wir eine simple Rettungsgeschichte, wie wir sie bereits aus vielen Spielen kennen. Wieso sich uns auf dem Weg dorthin andauernd himmlische Kreaturen in den Weg stellen, können wir da auch erst mal so hinnehmen. Spätestens aber nachdem wir den mysteriösen Jungen namens Loki treffen, überschlagen sich die Ereignisse und das Story Wirrwarr aus dem ersten Teil bricht wieder aus.

Da der an Amnesie leidende Junge aus nicht bekannten Gründen dasselbe Ziel hat wie wir, begleitet er uns fortan auf unserer Reise und beglückt uns dabei neben seiner nervigen Person auch mit der einen oder anderen übernatürlichen Fähigkeit, wie das Wasser zu kontrollieren oder sich in ein Eichhörnchen zu verwandeln. Im Laufe der Geschichte tauchen die verschiedensten Wesen aus Himmel und Hölle auf und versuchen Loki anzugreifen, allen voran der maskierte Lumen-Weise, dessen wahre Identität viele Rätsel aufwirft. Es folgt ein Wiedersehen mit altbekannten Charakteren, die nun noch verrückter sind, noch stärkere Gegner mit weiterhin undurchsichtigen Motiven, ein Besuch in der Hölle, einige Flashbacks und sogar Sprünge durch verschiedene Zeitebenen, während am Ende irgendwie mal wieder das Schicksal der Welt auf dem Spiel zu stehen scheint.

Eine gute Präsentation allein, reicht nicht!

Obwohl die Geschichte vornehmlich durch ihren abgedrehten Humor dominiert wird, kommt es doch ab und zu vor, dass das Spiel versucht ernsthafte Momente zu inszenieren und den Spieler emotional mitreißen möchte. Szenen, die allerdings nichts als peinliche Berührtheit beim Zuschauen auslösen und bei denen ein Griff weniger in die Klischeekiste mehr als gut getan hätte. Selbiges gilt für die eingebauten Story-Twists, deren Auflösung man schon meilenweit im Voraus erahnen kann. Erzählt wird das ganze leider nicht komplett in normalen Zwischensequenzen, sondern es wurde auch wieder häufig zu den günstig zu produzierenden Standbildern gegriffen, die man bereits aus dem Vorgänger kennt.Wie viel Wert man am Ende auf die Geschichte von Bayonetta 2 legt ist jedem selbst überlassen. Das Spiel nimmt sich jedenfalls die Zeit sie zu erzählen und gerade zu Beginn kann man mit häufigen und langen Unterbrechungen rechnen. Wer darauf gar keine Lust hat, kann diese bei Bedarf aber auch jeder Zeit überspringen und sich gleich vollends dem Gameplay widmen. Man bekommt in jedem Fall eine bombastische Inszenierung sowie einige nette Lacher geboten, über Logik und Gehalt sollte man allerdings hinwegsehen können.

Lern oder stirb!

Kommen wir zum Herzstück von Bayonetta 2, denn das ist das Gameplay, allen voran das Kampfsystem. Wer den Vorgänger gespielt hat, der dürfte sich schnell wieder mit der kecken Hexe zurecht finden, denn grundlegend hat sich erst mal nicht viel verändert. Wie in Spielen wie Devil May Cry oder Metal Gear Rising Revengeance kämpft man mit rasanter Geschwindigkeit und stylischer Action und bekommt nach jeder Gruppe von besiegten Gegnern eine Bewertung, die sich durch Energieverlust, Kombovielfalt und benötigter Zeit berechnet. Umso besser die Bewertung, desto höher fallen die Belohnungen aus, die man dann später wieder gegen neue Gegenstände, Techniken, Kostüme oder Waffen eintauschen kann. Der Dreh- und Angelpunkt beim Kampfsystem ist die Hexenzeit, durch die man kurzzeitig die Zeit verlangsamen kann und so ordentlich Schaden austeilen oder etwas Abstand vom Gegner gewinnen kann. Diese aktiviert man durch rechtzeitiges Ausweichen im allerletzten Moment und ist Spielentscheidend für alle folgenden Kämpfe. Wenn man die Hexenzeit nicht beherrscht, sieht man schnell kein Land mehr gegen stärkere Gegner, was vom Spieler stets große Aufmerksamkeit verlangt.

Hinzu kommen die vielen verschiedenen Möglichkeiten beim Finden seines ganz eigenen Spielstils. Ihr könnt Bayonetta nämlich mit je einer Waffe für die Hände und einer Waffe für die Füße ausstatten. Dadurch ergeben sich nicht nur jede Menge verschiedener Kombos, sondern es eröffnen sich auch spielerisch viele taktische Möglichkeiten. Rüste ich nun die auf großen Flächen effektiven Peitschen aus oder doch lieber den Bogen um gezielte Fernangriffe starten zu können? Nehme ich die Rakshasa-Klingen für die schnellen Angriffe in die Hand oder rüste ich sie doch lieber für mehr Flächenschaden an die Beine? Hinzu kommt, dass ihr auf Knopfdruck stets zwischen zwei vorher angelegten Rüstungssets wechseln könnt, was euch noch schneller auf die jeweilige Situation reagieren lässt und die Kämpfe dadurch noch dynamischer werden. Unerfahrene Spieler haben zudem die Möglichkeit auf eine Touchscreen-Steuerung auf dem Wii U-Gamepad zurückzugreifen. Hier sind keine komplexen Buttonabfolgen zum Kämpfen mehr erforderlich, sondern man schlägt und weicht aus in dem man gezielt auf den Bildschirm tippt und wischt.

Abwechslung muss sein!

An kämpferischer Abwechslung mangelt es auf Dauer kaum, dafür sorgen die Entwickler, indem sie euch ständig in neue coole Situationen werfen, die sich auch im Spielgefühl bemerkbar machen. Ob im Wasser, in der Luft, auf einem Surfboard oder auf einer ins Nichts fallenden, sich drehenden Plattform. Häufig ändert sich die Art, wie ihr gegen eure Gegner kämpfen müsst und es werden großartige Setpieces aufgebaut. Dabei stechen besonders die Bosskämpfe hervor, die nicht nur inszenatorisch auf höchstem Niveau sind, sondern auch das ohnehin schon kreative Monsterdesign immer wieder auf die Spitze treiben. Einzig der finale Boss des Spiels versagt in diesen Punkten. Wer auf so einen epischen Endkampf wie im ersten Teil hofft, der wird hier leider enttäuscht. Ohnehin kommen die Credits nach knapp 8 Stunden so abrupt, dass man sich fragen könnte, ob den Entwicklern zum Ende hin die Puste ausgegangen ist.

Wer auf Erkundung steht, der wird sich zumindest im ersten Teil des Spiels austoben können. Allerlei Sammelgegenstände und spezielle Kampf-Herausforderungen in Form der sogenannten „Muspelheims“ finden sich überall in weitaus größeren Arealen als noch im Vorgänger versteckt. Später im Spiel nimmt das ganze leider deutlich ab und die Level bestehen größtenteils aus langen Schläuchen, die zum nächsten Boss führen. Die zu sammelnden Gegenstände gibt es dort zwar weiterhin, sind aber meist kaum zu übersehen. Dafür bieten die Gebiete durch ihre unterschiedlichen Settings immer wieder neue Panoramen und großartige Architekturen zum Bestaunen. Aufgrund der verschiedenen Schwierigkeitsgrade, dem Bewertungssystem und den etlichen freispielbaren Sachen, bietet das Spiel auch genügend Gründe, für mehrere Abstecher in die Level. Auch gibt es ein spielinternes Achievement-System, das mit verschiedenen Herausforderungen aufwartet  und ähnlich der Meilensteine aus z.B Super Smash Bros. zu verstehen ist.

Ein Effektefeuerwerk vom Feinsten

Visuell ist Bayonetta 2 ein wahres Fest. Überall gibt es Explosionen, bunte Effekte und geschmeidige Animationen. Leistungstechnisch wird die Wii U an ihre Grenzen getrieben, wenn auf dem Bildschirm mal sehr viel los ist. Das merkt man vor allem durch Einbrüche in der Bildrate. Und auch die Übersicht kann dabei mal verloren gehen, wobei sich beides überraschenderweise sehr in Grenzen hält. Auch im Sounddesign glänzt das Spiel durch die Bank weg. Ein grandioser Soundtrack, der für jede Situation das passende Musikstück bereithält, sowie gelungene Soundeffekte, die unter anderem dem Trefferfeedback beim Kämpfen zu Gute kommen. Vom epischen Orchester um Dramatik aufzubauen bis hin zum J-poppigen Battletheme ist hier alles vertreten. Das Game kommt außerdem nur mit deutschen Untertiteln daher, lässt uns aber zwischen der japanischen und englischen Sprachausgabe die freie Wahl.

Grafisch kann zwar Bayonetta 2 leider nicht mit aktuellen Blockbustern von PlayStation 4 und Xbox One mithalten – dafür sind die Texturen am Ende dann doch zu schwach und das Kantenflimmern zu ausgeprägt -, auf der Wii U sucht allerdings das grafische Gesamtpaket seinesgleichen. Es kompensiert diese Schwächen gut durch das durchgehende Effektefeuerwerk und das kreative Artdesign. Außerdem wird Spielern des Vorgänger nun vor allem die neugewonnene Farbenpracht positiv auffallen. Sämtliche  Musikstücke sowie etliche Artworks, Konzeptzeichnungen, 3D-Modelle und viele weitere Extras kann man übrigens nach erfolgreichem Freispielen in der Galerie im Hauptmenü begutachten.

Gemeinsam gegeneinander!

Der Tag Climax Online-Multiplayer-Modus lässt euch erstmals gemeinsam mit einem zweiten Spieler oder wahlweise der CPU gegen feindliche Monster antreten. Ziel ist es, jeweils die meisten Punkte und somit eine bessere Bewertung als der Mitspieler am Ende eines Kampfes zu erhalten. Ein Spiel besteht aus sechs Runden, von denen jeweils der Sieger der letzten Runde entscheidet, welcher Gegner als nächstes bekämpft wird. Zur Auswahl stehen mehr als fünfzig verschiedene Gegner(gruppen), darunter auch ausgewählte Kämpfe aus der Story des Spiels. Zu Beginn einer Runde setzt der Spieler, der gewonnen hat, jeweils den Wetteinsatz in Form von Heiligenscheinen. Je höher der Wetteinsatz, desto höher ist der Gewinn am Ende einer Runde für den Sieger, aber desto stärker sind auch die zu bekämpfenden Monster. Wenn beide Spieler innerhalb eines Matches sterben, verliert man alle bisher gewonnenen Heiligenscheine. Erst wenn man gemeinsam alle sechs Runden übersteht, werden die Gewinne den Spielern ausgezahlt. Neben Bayonetta könnt ihr hier auch noch Hexenkollegin Jeanne, sowie weitere freischaltbare Charaktere als spielbare Kämpfer wählen, die allesamt einen anderen Spielstil fordern. Im Gegensatz zur Story kann Bayonetta selbst hier leider nur ein Waffenset tragen, ansonsten könnt ihr sie aber wie gewohnt ausrüsten. Überlegt also genau welche Waffen ihr wählt!

Der Modus ist perfekt dafür geeignet, um schnell große Mengen an Heiligenscheinen zu generieren, um sich so später mit neuen Kostümen, Waffen und Gegenstände einzudecken. Doch leider gibt es einige Faktoren, die genau hier den Spielspaß deutlich drosseln können. Dazu gehört primär die unverhältnismäßig aufgeteilten Gewinne nach jeder Runde. Während der Sieger geradezu in seinem  neugewonnenen Wohlstand schwimmt, bekommt der Mitspieler kaum mehr als einen mickrigen Bruchteil ab. Das ist vor allem dadurch frustrierend, dass es während der Kämpfe keine Anzeige gibt, die deutlich macht, wer gerade wie hoch führt. Bedeutet, dass man selbst wenn man am Ende des Kampfes eine reine Platin-Bewertung erhält, trotzdem als Verlierer aus dem Kampf gehen kann. Das geht sogar so weit, dass man nicht einmal die Kampfbewertung des Mitspielers am Ende einer Runde sieht und auch wenn man jedes Mal augenscheinlich perfekte Kämpfe abliefert, sich am Ende kopfschüttelnd fragt, warum man denn schon wieder verloren hat.

Verschenkte Möglichkeiten

Leider gibt es keinen lokalen Co-op/Splitscreen und auch private Matches mit Freunden kann man nicht so einfach starten. Man hat lediglich die Wahl zwischen der automatischen Spielzuteilung, der manuellen Spielersuche oder man startet alternativ ein Match mit der CPU und wartet dabei bis man selber eine Spielanfrage erhält. Freunde werden in der Spielersuche lediglich mit einem Herz hervorgehoben, eine direkte Einladung kann man ihnen anderweitig nicht schicken. Auch Text- oder Voice-Chats sucht man vergebens, obwohl gerade bei der Auswahl der nächsten Gegnergruppe und des Schwierigkeitsgrades eine Möglichkeit zur Kommunikation äußerst nützlich gewesen wäre. Ansonsten ist auch die Touchscreen-Steuerung für den kompletten Modus ausgeschaltet und auch globale Bestenlisten gibt es nicht.

FAZIT

Bayonetta 2 ist die konsequente Fortsetzung eines der besten Character-Action Games überhaupt. Das Kampfsystem wurde weiter verbessert und gehört dank seiner Vielseitigkeit und Tiefe mit zum absolut Besten, was das Genre hergibt. Selbst direkte Konkurrenten wie Devil May Cry oder Metal Gear Rising Revengeance werden es hier im direkten Vergleich sehr schwer haben.  Spielerisch gibt es nämlich bis auf Kleinigkeiten, wie das manchmal unübersichtliche Kampfgeschehen kaum etwas zu beanstanden. Es gibt jetzt noch mehr Möglichkeiten den Charakter auf seinen persönlichen Spielstil anzupassen und die vielen freischaltbaren Kostüme, Techniken und Gegenstände motivieren stets zum Weiterspielen und Ausprobieren. Der neue Online-Multiplayer-Modus bietet eine gute Möglichkeit schnell seinen virtuellen Geldbeutel aufzufüllen und kann trotz fehlendem Splitscreen und fehlenden Chatfunktionen sehr viel Spaß machen. Gerade das Ausprobieren der anderen Charaktere und ihrer verschiedenen Kampfstile ist dabei ein netter Bonus. Die fehlende Nachvollziehbarkeit bei der Auswertung und die ungleiche Verteilung der Gewinne können allerdings auf Dauer sehr frustrierend werden. Die Geschichte versucht dieses Mal etwas stärker in den Fokus zu rücken, hat aber weiterhin nichts Nennenswertes zu erzählen und endet leider sehr abrupt nach etwa acht Stunden Spielzeit. Ohnehin sollte man der Geschichte aber wie im Vorgänger nicht allzu viel Beachtung schenken. Zwar gibt es auf der einen Seite häufige Lacher und viele spektakuläre Action-Sequenzen, auf der anderen Seite aber nervige Charaktere und konfuse Gespräche. Alles glücklicherweise bei Bedarf auch zum Überspringen. Optisch wird hier ein wahres Effekte-Feuerwerk abgeliefert, von dem sich Leute mit Herzproblemen lieber fernhalten sollten. Fette Bosskämpfe, überinszenierte Kampfchoreographien und jede Menge bunte Explosionen zieren hier die meiste Zeit den Bildschirm. Wer nur im Entferntesten etwas damit anfangen kann, sollte sich Bayonetta 2 und falls nötig auch eine Wii U zulegen, denn es ist derzeit auf allen aktuellen Heimkonsolen absolut konkurrenzlos.

 

Getestet auf Wii U

Ouji

Ouji

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