Im Test: Bioshock Infinite: Burial at Sea Part 1 & 2

Groß war die Verwunderung über die plötzliche Bekanntgabe, dass Ken Levine, seines Zeichens Creative Director bei Irrational Games und Kopf hinter der Bioshock-Reihe, das Studio verlassen wird und in Zukunft sein eigenes kleines Studio gründet. Damit einher ging nämlich die Erkenntnis, dass Levine fortan nicht mehr an der Bioshock-Marke arbeiten und jegliche Verantwortung für die Reihe, von nun an auf den Publisher „2k Games“ selbst übertragen wird. Als Schlussakkord seiner langjährigen Arbeit an der Reihe, erschien nun vor kurzem der zweite und finale Teil der Story-Erweiterung „Burial at Sea“ zum letztjährigen Hit „Bioshock Infinite“. Dieser soll nicht nur alle noch offenen Fragen des Spiels beantworten, sondern auch die Brücke zum aller ersten Bioshock aus dem Jahre 2007 schlagen. Ob dies schlussendlich gelingt und ob das letzte Stück der Geschichte auch auf allen anderen Ebenen überzeugen kann, erfahrt ihr nun in meiner ausführlichen Review zu „Bioshock Infinite Burial at Sea Part 1&2“.

Handlung

Die Handlung von Burial at Sea setzt am Abend des 31. Dezembers 1958 ein und spielt somit kurz vor den Ereignissen des ersten Bioshocks. Im Gegensatz zum Hauptspiel befindet ihr euch nun also nicht mehr in der Wolkenstadt Columbia, sondern wieder in der Unterwasserstadt Rapture, allerdings vor dem Ausbruch der Katastrophe. Als Detektiv Booker DeWitt wacht ihr in eurer Detektei in Rapture auf und trefft kurz darauf auf Elizabeth. Beide Charaktere haben sich äußerlich verändert und scheinen sich nicht zu kennen. Elizabeth ist nun beispielsweise etwas älter und trägt eine für die 50er-Jahre typische Bekleidung. Sie beauftragt euch ein verschwundenes Mädchen namens „Sally“ zu finden, im Gegenzug dafür wird sie eure offenen Spielschulden im Casino begleichen. Nach anfänglicher Skepsis nehmt ihr den Fall an und beginnt von dort an die Suche nach dem verschwundenen Mädchen, stets in Begleitung Elizabeths.

Mehr braucht und solltet ihr an der Stelle gar nicht von der Geschichte wissen. Die Story ist, wie bereits in den Vorgängern, der zentrale Punkt des Spiels und sollte von jedem in seiner Gänze selbst erfahren werden. Ihr werdet im Laufe des Spiels auf jede Menge neue, aber auch viele altbekannte Charaktere aus dem Bioshock-Universum treffen, deren Rolle in der verzweigten und übergreifenden Geschichte nach und nach klarer werden. Welche Absichten sie haben, wer genau wo die Fäden spannt und in welchem Zusammenhang das verschwundene Mädchen zu Booker und Elizabeth steht, werden im Laufe der Handlung zu einigen der zentralen Fragen.

Gameplay

Vom reinen Spielprinzip hat sich auf den ersten Blick zu Infinite nicht viel getan. Eure Aufgaben bestehen weiterhin hauptsächlich im Erkunden der Spielwelt und dem Bekämpfen von Gegnern, welche in der Regel, die aus Bioshock 1 bekannten, nach ADAM süchtigen, Splicer darstellen. Das Gunplay ist weiterhin spaßig und durch die Verwendung der Vigor Kräfte kommt immer wieder Abwechslung ins Geschehen. Nach einiger Zeit wird aber klar, dass sich Burial at Sea in einem Punkt grundlegend von seinem Hauptspiel unterscheidet – und zwar der Ressourcenknappheit.

Ihr startet mit nur 3 Kugeln im Lauf eures Revolvers und findet im voranschreitenden Spiel auch nicht übermäßig vieles, mit dem ihr euch ausrüsten könnt. Zwar gibt es wie in den Vorgängern hinter jeder Ecke, respektive in jeder Schublade etwas zu finden und ihr könnt besiegte Gegner weiterhin plündern, aber die Ausbeute ist meist mager und reicht gerade so für das Nötigste. Viel mehr als die Standardschusswaffen wie Schrotflinte, Pistole und Karabiner findet ihr auf eurer Reise nicht, aber wer brauch schon zahllose Waffen, wenn es sowieso kaum Munition gibt?! Auch von den als Vigor bekannten magischen Kräften gibt es nur etwas weniger als eine Handvoll und auch diese müsst ihr euch zuvor jeweils mühevoll erkämpfen. Die obligatorischen Verkaufsautomaten, die an bestimmten Stellen in Rapture verteilt stehen und euch mit allerlei Gegenständen versorgen, dürfen natürlich auch nicht fehlen. Dieses Mal nehmen sie einen noch wichtigeren Teil in der Vorbereitung der Kämpfe ein, da eure Geldbörse nur sehr langsam wächst, die Preise im Vergleich zum Hauptspiel aber konstant geblieben sind. Das bedeutet, dass ihr unbedingt eure paar Dollar so investieren solltet, dass sie eurem Spielstil gerecht werden. Denn auch in diesem Punkt lässt euch das Spiel, trotz geringer Ressourcen, weiterhin die Wahl zwischen dem brachialen Weg und dem vorsichtigen Schleichen. Für erstere Spielweise sollte man allerdings wirklich gute Ego-Shooter Kenntnisse mitbringen, denn stumpfes Umhergeballere führt hier unweigerlich zum Tod. Wie im Hauptspiel finden sich in den Arealen Schienen, an denen ihr euch mit eurem Skyhook hangeln könnt. Diese wirken zwar im Kontext der Unterwasserstadt auf den ersten Blick deplatziert, können aber eine erfrischende Dynamik und Schnelligkeit in die Kämpfe bringen, wenn man es denn möchte.

Eine Besonderheit von Burial at Sea offenbart sich dann im zweiten Teil der Erweiterung. Nachdem ihr den ersten Teil ausschließlich in der Haut von Booker DeWitt spielen konntet, erlebt ihr Part 2 komplett aus der Sicht von Elizabeth. Das äußert sich nicht nur in der weiteren Geschichte, sondern vorallem auch im Gameplay. Als Elizabeth seid ihr kleiner, schwächer und langsamer beim Nachladen der Waffen. Sie ist keine ausgebildete Kriegerin und das merkt man vor allem in den Kämpfen. Im Nahkampf seht ihr gegen angreifende Gegner nun kein Land mehr, stattdessen müsst ihr versuchen diese unbemerkt von hinten zu erdrosseln. Falls sie euch doch mal entdecken, heißt es entweder die Beine in die Hand nehmen oder die wertvolle Munition eurer Schusswaffen einsetzen. Ressourcen sind hier noch mal deutlich knapper, als sie es bereits im ersten Teil waren und die Vigor Fähigkeiten die man finden kann, wie z.B Unsichtbarkeit, sind in erster Linie auf das Schleichen ausgelegt. Die meisten Schusswaffen aus Part 1 gibt es aber trotzdem noch, zudem ist Elizabeth mit einer Armbrust ausgestattet, die mit unterschiedlich wirkenden Bolzen ( z.B Schlafbolzen) brilliert und dadurch neue taktische Möglichkeiten im Kampf eröffnet.

Um nicht entdeckt zu werden, könnt ihr nun außerdem in die Lüftungsrohre Raptures klettern und von dort aus euer weiteres Vorgehen planen oder grazil an den Gegnern vorbeihuschen. Aber aufgepasst, zwar werdet ihr normalerweise während des Schleichens nicht gehört, tretet ihr dabei allerdings auf bestimmte Materialien, wie z.B Glasscherben, werden die Feinde schnell auf euch aufmerksam. Diese Elemente der Unterlegenheit, kombiniert mit der ohnehin düsteren und bedrückenden Atmosphäre Raptures, schaffen es aus Part 2 ein stimmungsvolles Survival Horror Abenteuer mit stealth Anleihen zu gestalten. Im neuen 1898 Mode müsst ihr sogar das komplette Spiel durchspielen, ohne auch nur einen einzigen Gegner zu töten.

Schlösser knackt ihr im Vergleich zu Part 1 nun übrigens auch nicht mehr durch einfaches Benutzen der Lockpicks, sondern in Form eines zusätzlichen kleinen Geschicklichkeitsspiels, dass euch bei Gelingen entweder diverse Boni beschert oder aber bei einem Fehlschlag, den feindlichen Alarm auslöst.

Welt

Im Mittelpunkt der Faszination steht wie schon in den Vorgängern die Spielwelt an sich. Dadurch, dass ihr Rapture vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs erlebt, ist es euch erstmals möglich diese utopische Unterwasserstadt in ihrer Blütezeit zu erleben. Gerade zu Beginn lässt euch das Spiel genügend Zeit ein etwas größeres Areal nach Belieben zu erkunden. Dabei könnt ihr die verschiedensten Geschäfte dieser vom 50er-Jahre-Glanz überzogenen Stadt besuchen oder auch einfach nur den Gesprächen der vorbeiziehenden Menschen lauschen. Diese behandeln häufig zeitkritische Themen und schaffen ein besseres Verständnis vom alltäglichen Leben in Rapture. Auch die bekannten Audio-Logs sind wieder mit dabei und liefern euch abermals die Gedankengänge und Hintergründe namhafter Personen aus dem Bioshock Universum oder offenbaren euch die nötige Zahlenkombination für den verschlossenen Tresor im nächsten Stock.

Die Stadt ist in und um die opulenten Gebäude, vollgestopft mit Referenzen auf ältere Teile. Fans der Reihe werden hier an jeder Ecke Gemälde, Plakate oder andere Dinge finden, die sie bewundern können. Ein besonderes Highlight stellen die in die Spielwelt eingeflochtenen Konzeptzeichnungen von Arealen und Figuren dar, die man immer wieder mal findet. Nicht nur werden hier die Entstehung von Big Daddy, Songbird und co. gezeigt, sondern auf Zeichenboards auch die detaillierte Funktionsweise dieser Wesen beschrieben. Wer seine Doktorarbeit im Fach „Bioshock“ schreiben möchte, wird hier also mit Sicherheit ausreichend Informationen herausziehen können.

Audivisuelles

Grafisch hat sich im Vergleich zum Hauptspiel nichts getan. Es handelt sich immer noch um eine modifizierte Version der Unreal Engine 3, die aber nun immerhin Rapture in neuem Glanz erstrahlen lässt und auch weiterhin klasse ausschaut. Ab und an können die starren Gesichter der (unwichtigen) NPCs das Gesamtbild etwas trüben und auch an der Gegner KI, deren Verhalten nach wie vor keinen Preis für Authentizität gewinnen würde, wurde nicht geschraubt. Einen Preis würde aber in jedem Fall die Sounduntermalung von Burial at Sea gewinnen. Die kratzigen, jazzigen Töne, welche klingen als würden sie direkt aus einem alten Grammophon stammen, erzeugen eine ganz eigene Atmosphäre, die im Kontext der dunklen Wasserstadt und dem immer präsenten Wahnsinn, einen einzigartig funktionierenden Kontrast bilden. Hinzu kommen dann Beispielsweise die gewaltigen Erschütterungen, die von einem durch die Gegend stapfenden Big Daddy ausgehen oder die irren Monologe der verrückten Splicer. Daneben machen auch die Synchronsprecher wieder einen fantastischen Job. All die, die des Englischen nicht mächtig sind, müssen allerdings auf die deutschen Untertitel ausweichen. Eine lokalisierte Sprachausgabe gibt es dieses Mal nämlich nicht.

Fazit:

Burial at Sea ist eine in jeder Hinsicht gelungene Story-Erweiterung für das ohnehin schon großartige Bioshock Infinite. Fans können sich nicht nur auf jede Menge Referenzen und Easter Eggs zum Bioshock-Universum freuen, sondern endlich auch den dramaturgischen Höhepunkt der übergreifenden Geschichte erleben, der nach dem Ende von Bioshock Infinite bereits angeteasert wurde. Auf meiner Reise durch Rapture und co. ist es mir nicht nur einmal passiert, dass ich wie ein Kind in einem Vergnügungspark stehenbleiben und die tollen Kulissen bewundern musste. Die dichte Atmosphäre und die im Vergleich zum Hauptspiel wenigen Schusswechsel tragen dabei viel mehr zu einem Survival- Horror als zu einem klassischen Ego-Shooter Erlebnis bei. Wem die Kampfpassagen in Bioshock Infinite also noch zu lang und actionreich waren, der kann sich hier, vor allem in Part 2, auf taktische Schleichpassagen freuen. Eine Richtung welche der Serie sehr gut steht und ich mir schon viel eher gewünscht hätte. Zwar wurden die Probleme an der KI immer noch nicht behoben und auch auf eine lokalisierte Sprachausgabe müssen deutsche Fans leider verzichten, im Endeffekt sind das aber lediglich Tropfen auf dem heißen Stein, die im runden Gesamtpaket kaum ins Gewicht fallen. Ich hätte gerne mehr Zeit in dieser fantastisch ausgearbeiteten Welt und ihren Charakteren verbracht, aber nach insgesamt knapp 7 Stunden ( Part 1 ca. 2-3 Stunden, Part 2 ca. 4-5 Stunden) ist das letzte Kapitel der Bioshock- Saga dann leider auch zu ende. Es bleibt nur zu hoffen, dass dies trotz Ken Levines Abgang, nicht der letzte Ausflug ins Bioshock- Universum gewesen ist.

Ouji

Ouji

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