Im Test: Final Fantasy Type-0 HD

Als Final Fantasy Agito XIII für japanische Mobile-Geräte im Jahre 2006 angekündigt wurde, hätte wohl niemand gedacht, dass es ganze neun Jahre dauern würde bis auch hiesige Fans die Möglichkeit haben werden das Action-Rollenspiel zu spielen. Neben einem Namenswechsel, waren gleich zwei Plattform-Wechsel nötig, bis es überhaupt dazu kommen konnte. Nachdem das inzwischen neu getaufte Final Fantasy Type-0 endlich im Jahre 2011 für die PlayStation Portable erschien, sah es nämlich lange düster für einen möglichen Release außerhalb Japans aus. Die Relevanz von Sonys Handheld war dort bereits auf einem kritischen Niveau angelangt, weshalb sich die Lokalisation eines solchen Titels am Ende möglicherweise nicht mehr getragen hätte. Aufgrund der großen Nachfrage nach Type-0 im Westen, wurde dann aber schließlich im vergangenen Jahr endlich doch noch eine weltweit lokalisierte Fassung des Spiels angekündigt – doch nicht nur das: Statt das Final Fantasy Spin-off auf einem aktuellen Handheld wie der PlayStation Vita oder dem Nintendo 3DS zu veröffentlichen, entschied man sich kurzerhand Type-0 in einer HD-Variante auf den großen Bildschirm zu bringen. Das einst für Handys angedachte Spiel landet nun neun Jahre nach seiner Ankündigung und vier Jahre nach seinem japanischen Debüt auf den derzeit leistungsstärksten Konsolen der Welt, namentlich PlayStation 4 und Xbox One. Aber genug der Geschichtsstunde. Ob sich die lange Wartezeit gelohnt hat und ob sich ein Handheld-Spiel so einfach auf den großen Bildschirm bringen lässt, erfahrt ihr nun in meinem Test zu Final Fantasy Type-0 HD!

Krieg in Orience

Ein Soldat, der mit seinem blutüberströmten Chocobo im Sterben liegt. Das ist eine der ersten Szenen, die uns vom Spiel überhaupt gezeigt wird. Gleich zu Beginn wird klar gemacht, womit wir es hier zu tun haben – die Welt von Final Fantasy Type-0 befindet sich im Krieg! Nachdem das Imperium Milites das Friedensabkommen der vier Reiche gebrochen hat und durch die neuentwickelten Kristallmanipulatoren, bereits etliche Teile der Welt besetzten konnte, versucht nun die Republik Rubrum als letzte große Instanz diesem Plan entgegenzuwirken. Der Spieler schlüpft dabei in die Rolle der sogenannten Class-Zero, eine Sondereinheit der Magie-Akademie in Rubrum, bestehend aus 12 (bzw. 14) Kadetten, welche allesamt außergewöhnliche Fähigkeiten besitzen. Gemeinsam gilt es nach und nach die Militische Armee wieder zurückzuschlagen und somit ganz Orience von deren Belagerung zu befreien. So simpel so gut, doch wie man es von der Reihe gewohnt ist, bleibt das ganze natürlich nicht lange so übersichtlich. Da Final Fantasy Type-0 ein Teil der sogenannten Fabula Nova Chrystallis ist, zu welcher sich u.a. auch Final Fantasy XIII zählt, gibt es einige Eigennamen und Begriffe, die einem vielleicht bereits bekannt vorkommen dürften. Wer schon damals beim Spielen von FF XIII von L’Cie, Fal’cie und Co. verwirrt war, dem wird es hier mit wirren Twists und Wendungen nicht anders ergehen. Hinzu kommt, dass in dem etwa 25-stündigen Abenteuer, etliche Details und Zusammenhänge nicht ausreichend erklärt werden und einige entscheidende Szenen sogar erst im New Game+ auftauchen. Das ist zwar in dem Sinne positiv, dass sich dadurch der Wiederspielwert erhöht, hat aber leider auch den großen Nachteil, dass sich die Geschichte dadurch anfühlt, als würde man ein Buch mit herausgerissenen Seiten lesen. Wer sich nicht gerade ausführlich mit allen Beschreibungen über die Welt und ihre Charaktere im „Lexikon“ der Akademie beschäftigt, wird bis zum Ende nämlich noch eine Menge Fragezeichen über dem Kopf haben.

Fehlender Fokus

Die Tatsache, dass man dieses Mal praktisch 14 Hauptfiguren hat, vereinfacht die Sache dabei natürlich auch nicht. Man lernt zwar die Marotten und groben Eigenschaften der einzelnen Mitglieder von Class-Zero nach einiger Weile kennen, aber wirkliche Tiefe oder gar eine Bindung zu den Charakteren baut sich dabei nicht auf. Aufgrund der hohen Anzahl, wird leider der einzelne Kadett vernachlässigt, wodurch die meisten Figuren bis zum Ende blasse Abziehbilder bleiben. Das ganze ändert aber nichts daran, dass man während des Spielens gerne mehr über Class-Zero erfahren möchte. Woher kommen die Kadetten, wer genau ist diese geheimnisvolle Mutter oder aus welchem Grund wurden sie alle dem scheinbar selben Spezial-Training unterzogen? Type-0 setzt im Übrigen auf einen für die Reihe bisher sehr untypischen Erzählstil. Nach jedem Kapitel gibt es eine Art historische Nacherzählung, von dem was in der gerade ausgetragenen Schlacht passiert ist, welche Auswirkung sie hatte und wie viele Opfer es gab. Eine interessante stilistische Entscheidung, die wunderbar in das Szenario passt und dem Ganzen einen dokumentarischen Charme verleiht.

Der Alltag an der Akademie

Um Orience wieder aus den Fängen der Militischen Armee zu befreien, schickt die Akademie, Class-Zero auf spezielle Missionen, was sich wiederum auch im eigentlichen Spielablauf wiederfindet. Im Grunde ist Final Fantasy Type-0 HD nämlich ein vorwiegend missionsbasiertes Action-RPG. Die Missionen selbst finden meist in abgeschlossenen und relativ linearen Gebieten statt, zu denen ihr auch außerhalb eures Auftrags meist nicht mehr zurückkehren könnt. Eure Aufgabe wird euch dabei von einem kleinen freundlichen Mogry erklärt, der euch auch ansonsten gerne Tipps und Ratschläge gibt. Die Rubrumer Akademie dient dabei als Basis, in der ihr die nächste Mission annehmt und zu der ihr nach getaner Arbeit auch wieder zurückkehrt. Dazwischen habt ihr Freizeit in der ihr praktisch machen könnt, was ihr wollt. Hier könnt ihr z.B Chocobos in den Stallungen der Akademie züchten, mit anderen Leuten reden, im Stadion die Class-Zero Kadetten trainieren, den Rest der Welt erkunden oder eben alle sonstigen Vorbereitungen für die nächste Mission treffen. Einige Aktivitäten und Gespräche kosten dabei einen bestimmten Anteil eurer Freizeit. Habt ihr alle Stunden aufgebraucht, beginnt euer nächster Auftrag. Wer keine Lust auf diese Nebenaktivitäten hat, der kann auch jederzeit sofort zur nächsten Mission springen. Aber es lohnt sich aus der zur Verfügung stehenden Zeit so viel rauszuholen, wie es nur geht, weil man dadurch viele interessante Dinge über die Charaktere und die Welt kennenlernt oder besondere Gegenstände erhält, die man komplett verpasst, wenn man nur stur der Hauptgeschichte folgt.

Die Rückkehr der Weltkarte

Fans der alten Final Fantasy-Spiele werden sich beim Blick auf die Welt von Type-0 HD freuen. Orience ist komplett über eine charmante 3D-Miniatur-Weltkarte bereisbar, so wie man es auch schon in den PlayStation 1-Teilen konnte. Auch Chocobos und ein später freischaltbares Luftschiff stehen einem dabei zur Verfügung. Wobei die Laufwege oftmals deutlich zu lang ausfallen, gerade wenn man letzteres Gefährt nicht besitzt. Eine richtige Schnellreise-Funktion wäre hier mehr als angebracht gewesen. Trotz der Ähnlichkeit zu den alten Teilen gibt es jedoch einen inhaltlichen Unterschied. Die Weltkarte ist relativ groß und doch gibt es nur wenig Interessantes darauf zu entdecken. Hier mal eine Höhle und dort mal ein paar Items. Richtige und vor allem belebte Städte gibt es in dem Sinne auch nicht, wodurch man die Limitationen der Ursprungs-Plattform wieder deutlich zu spüren bekommt. Nur die Akademie selbst lädt zum Erkunden und zum Quatschen mit anderen NPCs ein. Obwohl es auch hier viele Schwarzblenden-Übergänge zwischen den einzelnen Abschnitten gibt, ist sie der mit Abstand belebteste und somit auch interessanteste Ort des Spiels. Um etwas Abwechslung in die Missionen zu bringen, wurden übrigens noch einige wenige Echtzeit-Strategie Schlachten in die Handlung eingebaut, welche komplett auf der kleinen Weltkarte stattfinden. Diese können zwar auf den ersten Blick etwas überfordernd wirken, stellen sich aber bei genauerem Hinsehen als nicht sonderlich schwierig heraus.

Spaßige Kämpfe und eine anstrengende Kamera

Kommen wir zum wichtigsten Part des Spiels und das sind die Kämpfe. Euch stehen 14 unterschiedliche Charaktere zur Verfügung, jeder mit seinen eigenen Waffen und Fähigkeiten. Aktiv können davon immer drei in der Gruppe sein und jeder davon kann vom Spieler gesteuert werden. Falls einer der Charaktere stirbt, kann man ihn durch einen der (bis zu) 11 Reservemitglieder austauschen. Ein Game Over tritt nur dann ein, wenn wirklich sämtliche Kadetten kampfunfähig sind. Das Action-Kampfsystem könnte man am ehesten mit dem aus Crisis Core: Final Fantasy VII vergleichen, wobei das ganze nochmal ein Stück weiter geführt wurde. Ein Kampfmenü gibt es gar nicht mehr und sämtliche Übergänge sind nun komplett fließend, wodurch man Feinde sofort sieht und angreifen kann. Nur auf der Weltkarte kann es noch zu zufälligen Auseinandersetzungen kommen. Die Kämpfe spielen sich stets flott und durch die hohe Anzahl an unterschiedlichen Charakteren, kommt auch selten Langeweile auf. Gezieltes Ausweichen und getimte Angriffe auf die Schwachstellen der Gegner, sind hier zwei spielentscheidende Aspekte. Zusätzlich können euch im Kampf außerdem noch Esper wie Shiva, Ifrit oder Odin behilflich sein. Durch Opfern aller drei aktiven Gruppenmitglieder könnt ihr eine dieser mächtigen Kreaturen für wenige Minuten beschwören und selbst kontrollieren. Eine tolle Funktion, mit der man das Schlachtfeld nochmal so richtig aufwirbeln kann. Der einzig große Makel ist die Kamera. Man spürt sofort, dass sie einst für eine Steuerung ohne zweiten Analogstick designt und wahrscheinlich selbst damals nicht ideal war. Viel zu hektisch und mit einem überflüssigen Blur-Effekt bei jedem Schwenk versehen, steht sie dem Spieler einfach zu häufig im Weg. Orientierungsprobleme sind hier garantiert.

Zusätzlicher Manager gesucht!

Mit aufsteigendem Level erlernen die Kadetten neue und vor allem erstaunlich viele Fähigkeiten, von denen man im Menü jeweils eine passive sowie drei offensive für den Kampf ausrüsten kann. Dadurch ergeben sich jede Menge interessanter Kombinationsmöglichkeiten, bei denen für jeden Spielertyp die passende Zusammenstellung zu finden sein wird. Problematisch ist allerdings auch wieder die Anzahl der Charaktere. 14 spielbare Figuren zu managen, sie mit neuen Accessoires, Waffen und Fähigkeiten auszurüsten und sie dann auch noch zu leveln, ist ganz schön schwierig. Gerne fokussiert man sich deshalb nur auf eine handvoll der Class-0 Kadetten, wodurch mehr als die Hälfte von ihnen überflüssig erscheint. Trotzdem sollte man es nicht versäumen auch die restlichen Charaktere zu trainieren, sonst kann es in späteren Abschnitten des Spiels zu Problemen führen. Generell ist Final Fantasy Type-0 HD kein leichtes Spiel. Wer sich anfangs schwer tut, braucht sich deshalb nicht zu schämen, im ersten Spieldurchlauf den Schwierigkeitsgrad auf „einfach“ zu stellen. Das Spiel ist darauf ausgelegt, mehrmals durchgespielt zu werden. Sämtliche Charakter-Level, Waffen und Accessoires etc. könnt ihr später auch wieder mit ins New Game+ nehmen. Dort erwarten euch neben neuen Zwischensequenzen zusätzlich nämlich auch neue Dungeons und Gegner. Je nachdem wie lange ihr für eine Mission braucht, wie viele K.O.s ihr in Kauf nehmen musstet und wie viele Bonus-Ziele ihr darin erreicht habt, bekommt ihr übrigens entsprechend hohe Belohnungen.

Offensichtliche Wurzeln

Auch grafisch merkt man dem Spiel seine PSP-Wurzeln deutlich an. Zwar wurden gerade die Hauptfiguren stark aufpoliert und auch beleuchtungstechnisch hat sich einiges getan, doch das ändert nichts an der Tatsache, dass wir es hier eigentlich mit einem Spiel für einen fast zehn Jahre alten Handheld zu tun haben. Kurze Levelabschnitte, karge Landschaften und matschige Texturen  sind daher in Kauf zu nehmen. Für Leute, die gerne in der originalen Sprache spielen, gibt es außerdem die Möglichkeit zwischen der englischen und japanischen Sprachausgabe zu wechseln. Und wie gewohnt von der Serie, gibt es auch in Type-0 HD wieder einen mehr als gelungenen Soundtrack, mit einem sehr starken Hauptthema. Wer die Musik der anderen PSP Spin-Offs wie Crisis Core oder Dissidia mochte, der wird sich hier wie zu Hause fühlen. Kein Wunder, stammen doch alle drei Soundtracks aus der Feder des gleichen Komponisten.

FAZIT

Final Fantasy Type-0 HD ist sicherlich kein Meisterwerk, aber durchaus ein gutes, kurzweiliges Action-RPG, das sich vor allem Fans der Reihe mal anschauen sollten. Mit der Rückkehr der Mini-Weltkarte, einem steuerbaren Luftschiff oder der Chocobo-Zucht gibt es auch einige alte Fan-Favoriten zurück. Wer über die technischen Schwächen und die konfuse Story hinwegsehen kann, wird hier viel Spaß mit dem schnellen Kampfsystem und der Ausbildung der 14 Kadetten sowie den sechs Espern haben. Die offensichtlichen PSP-Wurzeln, wie die schwache Kamera oder die unbelebten Gebiete bleiben jedoch. Als Handheld-Spiel hätte Final Fantasy Type-0, vor allem aufgrund der Missionsstruktur im Spieldesign, sicherlich besser funktioniert. Trotzdem konnte mich Final Fantasy Type-0 HD für etwa 25 Stunden gut unterhalten und das nicht zuletzt aufgrund des ernsteren Kriegs-Szenarios und der tollen Musik. Gelohnt hat sich die Reise nach Orience auf jeden Fall und durch New Game+ gibt es auch nochmal eine Menge Wiederspielwert herauszuholen. Wer kein Interesse an der mitgelieferten Final Fantasy XV-Demo hat, sollte sich allerdings gut überlegen ob er hier sofort zum Vollpreis zugreifen muss.

 

Getestet auf PlayStation 4

Ouji

Ouji

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