Im Test: Ultra Age

Getestet auf PlayStation 5 (PlayStation-4-Version)

Abseits von Größen wie Devil May Cry und den Experten von Platinum Games, ist das Feld der sogenannten Character-Action-Games kein allzu dicht besiedeltes. Zwar gab es in den letzten Jahren immer mal wieder Versuche von kleineren Entwicklern in die Richtung, an die Qualität der Obengenannten kratzte allerdings selten jemand. Als Genrefreund, der mit den meisten Games dieser Art dennoch seinen Spaß haben kann, habe ich mich natürlich auch über die Ankündigung von Ultra Age gefreut. Das Konsolen-Erstlingswerk des koreanischen Indiestudios Next Stage wurde erst vor wenigen Monaten enthüllt und verspricht stylishe Hochgeschwindigkeitskämpfe in einer postapokalyptischen Zukunft. Wie gut ihnen das letztendlich gelungen ist, verrate ich euch in den folgenden Zeilen.

Ultra Age macht bereits in den ersten Spielminuten keinen Hehl aus seinen Inspirationsquellen. Der große Einfluss von NieR:Automata ist unverkennbar, sowohl was das dystopische Zukunftssetting, die am Rande der Existenz stehende Menschheit, die hauptsächlich von Maschinen bevölkerte Erde oder sogar den kleinen fliegenden Roboter-Begleiter des Protagonisten Age angeht. Im Gegensatz zu seinem großen Vorbild, schafft es Ultra Age allerdings nicht eine packende Geschichte zu erzählen oder gar mit besonderen Schauwerten zu beeindrucken. Die Dialoge der handelnden Figuren schwanken die meiste Zeit zwischen belanglos und konfus und die in Ansätzen interessante Grundstory, der sich auf einen anderen Planeten zurückgezogenen Überbleibsel der Menschheit inkl. großer Verschwörung, tröpfelt bis zum Ende vor sich hin. Ähnlich dürftig sieht es mit der Spielwelt aus: Neben ein wenig grüner Vegetation zu Beginn und einem Wüstengebiet gegen Ende, besteht ein Großteil der Gebiete aus sehr ähnlich aussehenden, fabrikähnlichen Gebäudekomplexen. Visuelle Abwechslung ist dadurch leider kaum gegeben und die eher maue UE4-Optik ist dem Ganzen dabei nicht zuträglich. Schwerwiegender wiegt hier aber die Struktur der Level, welche diese Gleichförmigkeit enorm fördert und in der nur selten spannende Points-of-Interest die Szenerie auflockern. Durch den sehr linearen Aufbau des Spiels, geht auch der Erkundungsaspekt nicht über ein paar kleinere Wege abseits des Hauptpfades hinaus.

Bis hierhin könnte man meinen Ultra Age sei ein ziemlich billiger Abklatsch von NieR:Automata, der es in keinem Aspekt schafft, mit seinem Vorbild gleichzuziehen. Und das stimmt strenggenommen auch. Aber dann gibt es noch dieses kleine, nicht zu verachtende Element namens Gameplay, welches das ganze Werk glücklicherweise auf ein höheres Niveau hebt.

Da es sich um ein Character-Action-Game handelt, ist der Star des Spiels natürlich das Kampfsystem und man merkt, dass hier auch am meisten Mühe und Zeit während der Entwicklung hineingeflossen sein muss. Ultra Age fühlt sich wie eine Mischung aus NieR:Automata und Devil May Cry an, gepaart mit ein paar Elementen aus Final Fantasy XV. So gibt es einen Dash als klassisches Ausweichmanöver, der wie in NieR zusätzlich das Sprinten aktiviert und bei perfektem Timing für einen Sekundenbruchteil einen Angriffsvorteil ermöglicht. Eine weitere Kernkomponente ist eine Art Haken bzw. Schnur ähnlich zu Neros Devil Trigger, mit dem man nicht nur Gegner aus allen Himmelsrichtungen zu sich ziehen kann, sondern auch sich selbst zu diesen ziehen kann. Später baut sich diese Fähigkeit zu einer Art Warpangriff aus, wie man sie unter Anderem von Noctis kennt.

Die letzte wichtige Säule stellt das Waffensystem dar: Im Laufe des Abenteuers findet man eine Handvoll verschiedener Schwerter, von denen man jeweils vier aktiv ausrüsten kann und davon jedes mit seinen eigenen besonderen Fähigkeiten daherkommt. Der Wechsel zwischen den Klingen ist ein zentraler Bestandteil des Kampfsystems, da man so nicht nur unterschiedliche Kombos aneinanderreihen kann, sondern auch bestimmte Gegnertypen nur gegen bestimmte Waffen anfällig sind. Der Mix aus diesen verschiedenen Komponenten macht die Kämpfe zu einem echten Highlight, weil die Kombinationsmöglichkeiten vielfältig und die Animationen zudem überaus wuchtig sind. Sobald man einmal im Combat-Flow ist, fällt es schwer den Controller wieder aus der Hand zu legen.

Wie das ganze in Action aussieht, habe ich hier in einem kleinen Clip festgehalten:

Und obwohl es sich grundlegend fantastisch spielt, Combo-Cancelling sowie Air-Dashes erlaubt und auf PS5 in 60fps läuft, gibt es auch hier ein paar Kritikpunkte: Zum einen besteht das Waffenarsenal nur aus Schwertern, die sich zwar alle etwas unterschiedlich anfühlen, aber nicht genug, um diesen Fakt kompensieren zu können. Auch Fernkampfwaffen hätten die Kämpfe nochmal dynamischer und abwechslungsreicher gestalten können, fehlen aber leider komplett. Zum anderen hat man sich an den wenigen Gegnertypen nach einiger Zeit sattgesehen, da helfen auch die unterschiedlichen Farbvarianten nicht mehr. Hinzukommt eine manchmal etwas unfaire bzw. nicht 100% präzise Hit-Detection, was angesichts der enormen Stärke der Gegner, in einigen frustigen Momenten enden kann. Besonders wenn man sich beim nächsten Versuch erst wieder durch drei Gegnerwellen vorher schnetzeln muss, weil das Speichersystem nicht das großzügigste ist. Auch das Heilungssystem durch den kleinen Begleiter-Roboter ist nicht sonderlich intuitiv, weil mir als Spieler nie komplett klar war, wann und wie gut ich mich denn nun zu welchem Zeitpunkt heilen kann.

Bossgegner verkommen aufgrund ihrer extrem hohen HP-Leiste gerne Mal zu Geduldsproben und wer jetzt denkt „na dann stelle ich einfach den Schwierigkeitsgrad etwas runter“ für den habe ich schlechte Nachrichten, denn so etwas gibt es hier nicht. Generell würde ich Ultra Age als äußerst fordernd bezeichnen, mit dem Hang dabei schon etwas ins Nervige abzudriften. Das liegt auch daran, dass man die Hälfte seiner gesammelten Erfahrungspunkte beim Tod verliert, welche als Hauptzahlungsmittel für neue Fähigkeiten fungieren. Im Gegensatz zu vergleichbaren Systemen anderer Spiele, gibt es hier aber keine Möglichkeit die einmal verlorenen EP wieder einzusammeln.

Wer keinen Wert auf eine interessante Geschichte legt und die Makel im Leveldesign und der Optik verzeihen kann, bekommt mit Ultra Age ein wirklich spaßiges und vor allem forderndes Action-Game, das an eine Mischung aus Devil May Cry und Nier erinnert. Man sollte sich bewusst sein, dass die Kämpfe den kompletten Rest des Spiels tragen und der treibende Faktor sind, weshalb ich bis zum Ende am Ball geblieben bin. Und selbst diese stoßen nach einer Gesamtspielzeit von rund 7-8 Stunden irgendwann an ihre Grenzen. Wenn die Entwickler auf dieser Gameplay-Basis aufbauen, die Waffen- und Gegnervielfalt in einem potentiellen Sequel erhöhen und in Zukunft auch mehr Fokus auf die anderen Aspekte legen, steht einem tollen Game aber nichts mehr im Weg. Als Erstlingswerk für die Konsole, ist Ultra Age trotz sehr offensichtlicher Schwächen ein guter Anfang. Deshalb gerne mehr davon!

Vielen Dank an DANGEN Entertainment für die Bereitstellung des Testmusters!

Ouji

Ouji

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.