Im Test: Life is Strange Episode 1: Chrysalis

Ich schaue mir in fünf separaten Tests das neue Adventure von Dontnod Entertainment genauer an und erzählen euch, was die einzelnen Episoden jeweils zu bieten haben. Wir starten heute mit Episode 1: Chrysalis. Stellt euch vor ihr wacht eines Tages auf und besitzt plötzlich die Fähigkeit die Zeit zurückzudrehen. Was würdet ihr tun? Genau mit dieser Frage muss sich Max Caulfield in Life is Strange auseinandersetzen.

Mysteriöse Begebenheiten

Als Max nach fünf Jahren wieder in ihre Heimtatstadt Arcadia Bay zurückkehrt um dort an der angesehenen Blackwall University Fotografie zu studieren, ahnt sie noch nicht welch kuriosen Dinge dort auf sie warten. Nach einem erschreckend realen Tagtraum während einer Unterrichtsstunde, entdeckt Max auf einmal, dass sie die Fähigkeit besitzt, die Zeit zurückzudrehen. Vielleicht etwas zu schnell findet sie sich schon bald mit diesem Umstand ab und wie es der Zufall so will, schafft sie es auch schon kurze Zeit später, mithilfe ihrer Kräfte, den Mord an einem Mädchen auf der hiesigen Schultoilette zu verhindern. Wie sich im Laufe des Tages noch herausstellen soll, handelt es sich bei dem Mädchen um Max‘ alte beste Freundin Chloe Price, die sich scheinbar nicht nur äußerlich seit ihrem letzten Treffen stark verändert hat. Während die Fotografie-Studentin eher das brave und zuvorkommende Mädchen ist, stellt Chloe den rebellischen Gegenpol dar, der sich von niemandem den Mund verbieten lässt. Trotzdem verstehen sich beide auch nach den 5 Jahren noch und versuchen langsam die alte Freundschaft wieder aufleben zu lassen. Wir erfahren stückweise welche Schicksalsschläge Chloe zu ihrem Image-Wechsel bewogen haben und welche Dinge seitdem sonst noch in der Kleinstadt geschehen sind. Besonders das mysteriöse Verschwinden von Rachel Amber, ebenfalls eine Fotografie-Studentin der Blachwall University, wirft viele Rätsel auf und ist eines der großen Gesprächsthemen in Arcadia Bay.

Der ganz normale Schulalltag?

Das Zusammenspiel des High-School-Settings mit der unglaublich gelungenen Musikuntermalung, bilden eine starke Atmosphäre und stellen gleichzeitig ein großes Aushängeschild von Life is Strange dar. Die vielen überzeugenden Charaktere rund um die Blackwall University, welche Max‘ Leben mal mehr, mal weniger positiv beeinflussen, runden das ganze ab und lassen die Welt dabei glaubwürdig erscheinen. Ob nun der elitäre Vortex-Club, zu dem sich auch Max‘ „Rivalin“ und Klassenkameradin Victoria zählt, Chloes‘ problematischer neuer Stiefvater, der etwas schräge Hausmeister oder einer der zahlreichen anderen Mitschüler. Die Beziehungen der Figuren untereinander wecken das Interesse und bieten Potenzial für viele Geheimnisse und Wendungen innerhalb der Geschichte. Auch das Thema Fotografie, welches eine große Rolle im Leben von Max und somit in der Erzählung von Life is Strange spielt, trägt dazu einen bedeutenden Teil bei. Der bislang einzig wirklich enttäuschende Aspekt, hat mit der technischen Umsetzung des Spiels zu tun. Dabei geht es nicht um die grafische Qualität per se, denn Life is Strange kommt auch ganz gut mit seinem stylisierten Grafik-Stil aus. Vielmehr ist es schade, dass die Mundbewegungen der Charaktere häufig nicht mit dem gesprochenen Text übereinstimmen. Das fällt besonders deswegen auf, weil die englischen Sprecher durch die Bank weg sehr gut besetzt sind. Eine lokalisierte Sprachausgabe oder deutsche Untertitel gibt es hier übrigens nicht.

Frische Gameplay-Ideen

Spielerisch lässt sich Life is Strange am ehesten als eine entspanntere, aber auch vielschichtigere Variante der aktuellen Telltale Games-Adventures beschreiben. Wir werden nicht von einem zum nächsten Ort gehetzt, sondern können die Gegend nach unserem eigenen Tempo und Belieben erkunden – Quick-Time-Events gibt es sogar überhaupt keine. Ob nun auf dem Black Wall Academy Campus oder in Chloes Haus, die Umgebung bietet stets viele Gegenstände oder Personen mit denen Max interagieren kann. Das große Feature ist aber die Zeitrückspul-Funktion, welche es nicht nur ermöglicht, Entscheidungen bis zu einem Gewissen Zeitpunkt rückgängig zu machen, sondern die auch intelligent für kleinere Rätsel benutzt wird. So kann Max beispielsweise während eines Gespräches Informationen erhalten, die ihr nach dem Zurückspulen wiederum neue Dialog-Optionen für das gleiche Gespräch eröffnen und somit einen komplett neuen Ausgang erzeugen können. Oder anders ausgedrückt: niemals wieder falsche Antworten im Unterricht geben müssen! Der Einsatz von Max‘ besonderer Fähigkeit ist dabei nicht auf bestimmte Situationen beschränkt, sondern kann fast zu jeder Zeit im Spiel frei verwendet werden. Die erste Episode macht hierbei einen guten Job und führt uns mit einigen interessanten, wenn auch nicht zwangsweise fordernden, kleinen Rätseln in die Mechanik ein.

FAZIT

Chrysalis ist ein sanfter aber gelungener Einstieg in die Welt von Life is Strange. Uns wird ein glaubhaftes High-School Setting mit jeder Menge interessanter Charaktere, untermalt von einem wirklich tollen Soundtrack, präsentiert. Die Welt wirkt durch die vielen Interaktionsmöglichkeiten lebendig und die Zeitrückspul-Funktion bringt einige frische Ansätze mit sich. Statt mit Quick-Time-Events durch die Welt zu hetzen, lässt einem das Spiel außerdem stets viel Zeit zum Erkunden. Die einzigen wirklichen Mankos sind die etwas schwache Technik und die damit einhergehende Lippen-Asynchronität sowie das Fehlen von deutschen Untertiteln. Wer sich damit aber arrangieren kann, wird über die Spielzeit von etwa 2-3 Stunden eine tolle Zeit haben. Wie schwerwiegend sich die getroffenen Entscheidungen auswirken, wird sich wohl erst ab der nächsten Episode zeigen. Tatsache ist jedoch bereits jetzt, dass die Geschichte von Life is Strange eine Menge Potential birgt.

 

Getestet auf PlayStation 4

Ouji

Ouji

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