Im Test: Life is Strange Episode 2: Out of Time

Ich schaue mir in fünf separaten Tests das neue Adventure von Dontnod Entertainment genauer an und erzählen euch, was die einzelnen Episoden jeweils zu bieten haben. Heute geht es weiter mit Episode 2: Out of Time. Stellt euch vor ihr wacht eines Tages auf und besitzt plötzlich die Fähigkeit die Zeit zurückzudrehen. Was würdet ihr tun? Genau mit dieser Frage muss sich Max Caulfield in Life is Strange auseinandersetzen.

Neuer Fokus

Nachdem wir in der ersten Folge mit den neuen Kräften von Max Bekanntschaft machen und durch ihre geheimnisvollen Visionen erfahren konnten, dass in weniger als fünf Tagen eine gewaltige Naturkatastrophe das kleine Städtchen Arcadia Bay zerstören wird, vernachlässigt die zweite Episode diese Rahmenhandlung wieder etwas und konzentriert sich stattdessen mehr auf die Probleme, welche es derzeit an der Blackwell Academy zu lösen gilt. Allen voran macht dort nämlich gerade ein virales Video von Max‘ Klassenkameradin Kate die Runde. Das Video, welches die eigentlich schüchterne Kate in einigen sehr peinlichen und unangenehmen Situationen zeigt, wurde nämlich ohne ihren Willen aufgenommen und ins Internet hochgeladen. Hinzu kommt, dass sie sich nur noch verschwommen an diesen Abend erinnern kann, weshalb sie einen Mitschüler unter Verdacht hat, der sie unter Drogen gesetzt haben muss. Die Folgen sind klar – Kate wird unfreiwillig zum negativen Gesprächsthema Nr.1 unter den Schülern der angesehenen Kunsthochschule. Wie sehr ihr das ganze zusetzt und welche Konsequenzen das auch für Max hat, zeigt sich bereits zum Ende der Episode. Als Max hat der Spieler hierbei nämlich durch etliche Entscheidungen die Wahl, ob und auf welche Weise er dem Mobbing entgegenwirkt.

Weder schwarz noch weiß

Neben dem ganzen Drama um Kate, nimmt sich das Spiel aber auch für seine anderen Charaktere wieder viel Zeit. Wir lernen so zum Beispiel Chloes Mutter kennen, bekommen ein besseres Verständnis von der Freundschaft zwischen Chloe und der vermissten Rachel Amber oder weitere Einblicke in das Verhältnis zu ihrem neuen Stiefvater. Ohnehin gewinnen viele der Figuren weiter an Tiefe und kaum einer der Charaktere wirkt noch so eindimensional, wie man es nach der ersten Episode hätte vermuten können. Wenn einem das Verhalten einer Person damals noch merkwürdig erschien, kann das durch neue Erkenntnisse in Episode 2 schon wieder ganz anders aussehen. Genauso verhält es sich auch mit den Entscheidungen, die man während des Abenteuers trifft. Es gibt oftmals keine eindeutig guten oder bösen Entscheidungen, sondern nur Konsequenzen deren Folgen man noch nicht absehen kann und diese können gerne mal von beidem etwas haben. Das ist insbesondere deswegen gelungen, weil man sich trotz Max‘ Zeitrückspulmechanik niemals vorkommt, als würde man damit das Spiel austricksen können. Man gewöhnt sich schnell daran diesen Komfort zu nutzen und sich alle möglichen Ausgänge einer Aktion oder Konversation anzuschauen, bevor man zum nächsten Akt übergeht. Doch gerade diese falsche Sicherheit haben sich die Entwickler in Episode 2 auch in genialer Weise zu nutze gemacht und so einen nervenaufreibenden Höhepunkt geschaffen.

In „Out of Time“ erkunden wir mit Max auch zwei neue Gebiete von Arcadia Bay. Das wäre einmal das Café von Chloes Mutter sowie der Schrottplatz, welcher sich als ehemaliger Treffpunkt von Chloe und Rachel Amber herausstellt. An beiden Orten gibt es wieder jede Menge Dinge oder Personen mit denen man interagieren kann und somit vieles zum entdecken. Auch ergeben sich dadurch wieder einige interessante Spielereien mit Max‘ Kräften. Einzig auf das langweilige Flaschensammeln hätte man gerne verzichten können, da es weder spielerisch noch erzählerisch gut eingebunden wurde. Die Tatsache, dass man genau fünf leere Flaschen finden muss und das es deshalb zufällig auch nur fünf Flaschen im gesamten Gebiet (auf einem Schrottplatz!) zu finden gibt, hätte man bestimmt eleganter lösen können. Audiovisuell hat sich im Vergleich zu Episode 1 übrigens nichts getan – sowohl im positiven wie auch im negativen Sinne.

FAZIT

Life is Strange hält auch mit Episode 2: Out of Time sein hohes Niveau und kann dieses sogar an mehreren Stellen nochmals toppen. Die Rahmenhandlung um Max‘ mysteriöse Kraft und Visionen wurde hier zwar etwas in den Hintergrund gestellt, aber gerade das ist auch eine der großen Stärke von „Out of Time“. Der Fokus wurde auf die Charaktere, allen voran die Probleme mit denen sich die heranwachsende Teenager auseinandersetzen müssen, gelegt. Wir sehen erste und scheinbar weiterreichende Konsequenzen, die sich durch unser handeln aus Episode 1 ergeben haben und lernen außerdem neue Seiten von bereits bekannten Charakteren kennen. Besonders dramaturgisch findet Out of Time in seinen 2-3 Stunden ein gutes Pacing. Angefangen mit einer sehr ruhigen Exposition, überschlagen sich die Ereignisse bald zu einem nervenaufreibenden Höhepunkt, der mithilfe eines cleveren Gameplay-Twists am Ende, eine nochmal viel stärkere Wirkung erzielt. Die nächste Episode kann nicht früh genug kommen!

 

Getestet auf PlayStation 4

Ouji

Ouji

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