Im Test: Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4

Seit 2007 liefert uns der japanische Entwickler CyberConnect2 in mal mehr, mal weniger regemäßigen Abständen neue Ableger der Naruto Ultimate Ninja Storm-Serie. Mit dem nun inzwischen sechsten Teil feiern die Ninja rund um Naruto Uzumaki nicht nur ihr Debüt auf der aktuellen Konsolengeneration, sondern auch den angeblichen Schluss der Prügelspiel-Reihe. Jede Menge Ambitionen seitens der Entwickler und selbstversändlich hohe Erwartungen der Fans sind hierbei vorprogrammiert. Ich habe mich nächtelang mit Wurfsternen, Shuriken und allerlei Jutsus um die Ohren geschlagen und kann euch jetzt in meinem Test zu Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4 verraten, wie gut das Spiel am Ende tatsächlich geworden ist.

Das Finale der Geschichte

Die Geschichte des Spiels setzt im letzten Akt des dritten Ninjaweltkrieges an. Im Storymodus könnt ihr die Geschehnisse bis zum Ende der Serie nachspielen, demnach stehen die Kämpfe gegen Tobi, Madara und Kaguya im Fokus. Präsentiert wird das ganze kapitelweise aus der Sicht von verschiedenen Protagonisten, meistens aber aus der Sicht von Naruto oder Sasuke. In jedem Kapitel erwarten euch mal mehr, mal weniger ausführliche Zwischensequenzen, welche entweder mit Ingame-Optik oder mithilfe von Anime-Standbildern erzählt werden. Diese sind ausschweifend, oft auch zu ausschweifend, werden aber für Serienneulinge oder Naruto-Gelegenheitsschauer trotzdem – oder vor allem deswegen – nur für Verwirrung sorgen, während Serienkenner die besser erzählte und auch kohärenter präsentierte Geschichte bereits aus Manga und/oder Anime kennen. Nichtsdestotrotz sind einige der Ingame-Zwischensequenzen durchaus beeindruckend inszeniert und liefern in Kombination mit den gigantischen Bossfights ein tolles Bild ab. Das Spiel erlaubt sich hierbei übrigens im Vergleich zur Originalgeschichte einige Freiheiten, die am Ende aber trotzdem zum selben Ergebnis führen.

Altbekannte Kämpfe

Gamepeplaytechnisch bietet der Story-Modus eine Mischung aus normalen 1 vs. 1 Arenakämpfen, Kämpfe gegen eine Vielzahl von schwächeren Gegnern und großen Bossfights. Erstere stellen das Grundgerüst des gesamten Spiels dar und sind somit auch am häufigsten anzutreffen. Wer einen der Storm-Teile bereits gespielt hat, wird hier schnell wieder reinkommen und mit den Herausforderungen innerhalb des Story-Modus keinerlei Probleme haben. Entweder allein oder mit bis zu zwei Support-Charakteren werden diese ausgetragen und bieten die gewohnt einfach bedienbaren, aber sehr spaßigen Ninjagefechte. Neu ist hierbei, dass man erstmals Supportcharaktere während eines laufenden Matches zum steuerbaren Teamleader ernennen kann, was wiederum frischen Wind in die Kämpfe bringt und neue taktische Möglichkeiten eröffnet. Die Kämpfe gegen mehrere Gegner auf einmal laufen im Grunde ähnlich ab und werden dank des automatischen Anvisierens des nächstbesten Gegners auch nur selten chaotisch. Schläge ins Leere gibt es hier und dort allerdings trotzdem mal zu sehen.

Imposante Riesengegner

Die Bosskämpfe sind das exklusive Schmankerl des Story-Modus und fallen in ihrer Inszenierung bombastischer denn je aus. Das Kämpfen als beispielsweise riesiger Kyuubi bietet zwar kaum spielerischen Tiefgang, aber die Entwickler haben es mithilfe verschiedenster Mittel geschafft, das Gefühl sich als eines dieser riesigen und mächtigen Wesen zu fühlen, gelungen auf die Steuerung zu übertragen. Abgerundet wird das alles stets mit den serientypischen Quick-Time-Events, welche bei sehr gutem Timing zusätzlich eine geheime Minisequenz freischalten. Alles in allem ist der Story-Modus mit etwa sechs Stunden ein sehr kurzweiliger Spaß, der zudem in der Erzählung schwächelt, aber auch tolle Momente wie die imposant in Szene gesetzten Bosskämpfe bietet. Für Einzelspieler hört es hier glücklicherweise noch nicht auf, denn das Spiel hat noch einen weiteren umfangreichen Einzelspieler-Modus zu bieten.

Konoha nach dem Krieg – der Abenteuer-Modus

Im Abenteuer-Modus erlebt ihr ein erfundenes Szenario, welches direkt an das Ende der Geschichte anknüpft. Im Gegensatz zum Story-Modus könnt ihr hier mit Naruto frei in der Ninjawelt herumlaufen und die verschiedensten Orte besuchen, mit NPCs quatschen, neue Ausrüstungsgegenstände kaufen oder Missionen bestreiten. Alteingesessene Fans der Reihe kennen das bereits aus früheren Teilen, wobei es damals noch direkt mit in den Storymodus verwoben wurde. Der neue Ansatz weiß allerdings zu gefallen, da nun im Grunde keine Geschichte mehr eure Route vorschreibt, und ihr selbst die Welt für euch entdecken könnt. Und gerade hierbei entsteht der Reiz nicht nur alle Ecken der detailgetreuen Ninja-Welt selbst zu erforschen, sondern auch zu sehen, was mit all den liebgewonnen Charakteren nach dem großen Krieg passiert ist.

Weitere Herausforderungen

Zudem gibt es überall in der Welt verstreute Erinnerungsfragmente zu finden, welche euch alle möglichen ikonischen Kämpfe aus der gesamten Historie von Naruto nachspielen lassen. Darunter unter anderem der Kampf gegen Zabuza und Haku, Naruto vs. Neji oder Gaara vs. Rock Lee, etc. Leider werden diese aber nur als normale Kämpfe, ohne Zwischensequenzen oder Ähnliches und mit einer kurzen textlichen Einleitung, präsentiert. Im Abenteuermodus warten neben zahlreichen Missionen auch die wohl härtesten Gegner des Spiels auf euch. Wer sich also beim Story-Modus noch unterfordert gefühlt hat, sollte sich hier auf jeden Fall auf die Suche nach den schwierigen S-Rank Missionen machen. Insgesamt wird hier ein gelungenes kleines RPG-ähnliches Abenteuer im Naruto-Universum geboten, das die bisher größte frei begehbare Spielwelt der Reihe bietet.

Ninjas en masse

Wer lieber direkt seine Kampfkünste perfektionieren möchte, dem stehen sowohl ein Trainings-Modus, der freie Kampf gegen CPU oder einen Mitspieler, ein Überlebensmodus, ein Liga-Modus und auch ein Turnier-Modus zur Verfügung. Im Mittelpunkt dabei stehen natürlich die vielen verschiedenen Ninjas, von denen es dieses mal mitsamt Support-Charaktern mehr als 100 gibt. Dabei gibt es alle möglichen Charaktere aus sämtlichen Teilen der Geschichte, ob das nun die Mitglieder von Akatsuki, sämtliche Kage, die wichtigsten Kämpfer aus dem dritten Ninjaweltkrieg oder sogar die jüngeren Varianten der Ge-nin aus den verschiedenen Teams sind. Die Auswahl ist gewaltig, aber damit einher kommt leider ein wie gewohnt relativ großes Ungleichgewicht bei den Kräften. Das Kampfsystem bietet zwar mehr Tiefgang als man anfangs denken könnte, aber längst nicht genug um so einen Nachteil bei zwei gleich guten Spielern ausgleichen zu können. Glücklicherweise wurde aber etwas am Balancing der verschiedenen Erwacht-Modi, die Spezialformen in die sich jeder der Ninja nach einer bestimmten Schadensgrenze verwandeln kann, geschraubt, sodass man nun beispielsweise gegen Susan’o nicht mehr komplett chancenlos dasteht. An den Fertigkeiten der altbekannten Kämpfer hat sich übrigens kaum bis gar nichts getan. Hier und da sind neue Jutsus dazugekommen, aber wer bereits einen Lieblingscharakter hatte, wird diesen in der Regel auch wieder wie gewohnt spielen können.

Online-Kampf um die Ränge

Sicherlich wird sich ein Großteil der Spieler auch vollständig auf den kompetitiven Aspekt des Spiels konzentrieren und somit die meiste Zeit in Online-Multiplayer verbringen. Doch wie gut lässt es sich hier kämpfen? Zur Auswahl stehen die normale Mitspieler-Suche, sowie Turniere und Liga-Spiele, das Spielen gegen Freunde und Ranglisten-Spiele. Bei ersterem hat man neben dem schnellen Spiel auch noch selbst die Möglichkeit mit bestimmten Kriterien nach Spielen zu suchen oder eigene Sitzungen zu erstellen. Das ganze geht meist flott und unkompliziert, sodass es nur selten zu längeren Wartezeiten kommt. Je mehr Ranglisten-Spiele man gewinnt, desto mehr Punkte bekommt man und desto höher steigt man in seinem Rang und damit der weltweiten Bestenliste auf. Wenn man nun in einem Ranglistenspiel gegen Spieler mit weniger Punkten antritt, bekommt man demnach auch weniger Punkte bei einem Sieg bzw. verliert mehr Punkte bei einer Niederlage. Die Matches an sich laufen meist relativ stabil. Ab und zu, besonders bei Kämpfen gegen Gegner aus anderen Kontinenten, kann es aber auch gerne mal zu Unterbrechungen und Rucklern kommen. Ingesamt wird hier mit dem Online-Modus aber ein überaus rundes Paket abgeliefert, welches zusätzlich noch mit zeitlich begrenzten Ereignissen besondere Herausforderungen bietet.

Ein Anime zum Selberspielen

Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4 gehört zu einem der schönsten und stilsichersten Spiele der aktuellen Konsolengeneration. Der Cel-Shading-Grafikstil glänzt nun dank Full-HD Auflösung in voller Pracht und das störende Kantenflimmern der Vorgänger wurde fast vollständig ausgemerzt. Besonders beeindruckend sind dabei die Partikeleffekte im Spiel und die grandios in Szene gesetzten Ultimativen-Jutsus. Das gleiche gilt für die Gesichtsanimationen der Charaktere, welche schon beinahe auf Augenhöhe mit der Anime-Vorlage spielen. Nur selten gibt es außerdem Einbrüche in der sonst sehr stabilen Bildrate von 30fps und Dank der original englischen als auch japanischen Sprecher, kommt die passende Stimmung zustande. Auch gelungen ist die musikalische Untermalung, welche zwar keine direkten Stücke aus dem Anime verwendet, aber dafür in einem sehr ähnlichen Stil eigene Melodien hervorzaubert.  

FAZIT

CyberConnect2 liefert mit Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4 ganz klar den bisher besten Teil der Naruto Storm-Reihe ab, erfindet das Rad dabei aber nicht neu. Alles ist schöner, größer und besser, aber es fühlt sich wieder einmal sehr nach dem altbekannten Spiel an, welches wir seit Teil 2 nun bereits zum vierten mal serviert bekommen. Die größten Neuerungen sind im Grunde die neuen Kämpfer und das Einwechseln der Support-Charaktere während eines Matches. Wem das allerdings genügt und wer sich auch auf den Solospieler-Content freut der bekommt hier technisch hochwertige Anime-Action mit einigen imposanten Szenen im Storymodus sowie einer detailgetreuen und charmanten Ninja-Welt zum Erkunden im Abenteuermodus. Denn trotz spielerischer Stagnation, bietet Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4 weiterhin ein sehr spaßiges und zudem einsteigerfreundliches Spielerlebnis. Zu guter Letzt sei allerdings nocheinmal gesagt, dass man mit dem Anime und Manga zwei weitaus bessere Alternativen hat, um das Finale der Geschichte zu erleben. Ansonsten gilt, dass das Spiel einmal mehr ein klarer Pflichtkauf für alle Naruto-Fans ist.

 

Getestet auf PlayStation 4

Ouji

Ouji

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